Regierung beschließt Reisegutscheine

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Nachdem hunderttausende Urlauber ihre Reisen Corona-bedingt nicht antreten konnten, verlangten sie ihr Geld zurück. Reisebüros und -veranstalter sind mit den Rückzahlungen gänzlich überfordert. Die Regierung hat deshalb die Regelung erlassen, dass Reisende für ihren ausgefallenen Urlaub einen Reisegutschein erhalten dürfen.

Mit der Coronapandemie und dem Lockdown ist der Tourismus global eingestürzt. Reisebüros und Reiseveranstalter stehen vor der Pleite. Die Kunden möchten ihre Kosten erstattet haben. Ursprünglich hieß es, dass Reisen, die Pandemie-bedingt nicht stattfinden, binnen 14 Tage erstattet werden müssen. Die Rückzahlungen liefen aber nur schleppend oder wurden nicht durchgeführt. „Bereits in den vergangenen Wochen haben immer mehr Reiseanbieter ohne gesetzliche Grundlage Rückzahlungen verweigert und nur Gutscheine ausgegeben“, teilte die Verbraucherzentrale Brandenburg mit. So einfach war es demnach nicht. Mit dem Lockdown und der Rezession standen die Unternehmen vor ungeahnten Liquiditätsengpässen. Auch die bisherige Obergrenze von 110 Millionen Euro für die Versicherung im Falle von Reiseausfällen sei zu niedrig, wie es bei der Insolvenz von Thomas Cook der Fall war.

Die Proteste seitens der Verbraucher dauern seit nunmehr vier Monaten an. Klar war: Hilfe muss her. Die Entscheidung des Bundestags, Gutscheine als alternative Erstattung für ausgefallene Reisen durch die Corona-Krise anzubieten, findet jedoch wenig Anklang – weder in der Reisebranche noch in der Politik. Ziel war es eigentlich mit der Regelung Reiseveranstalter zu entlasten, da die Erstattung der Reisekosten in der aktuellen Wirtschaftskrise ihre finanzielle Lage weiter strapazieren würde. Jedoch können sich die Kunden gegen den Gutschein entscheiden und weiterhin auf eine Barerstattung bestehen. Gedacht ist der Gutschein also als Alternative. Der ursprüngliche Plan der Regierung, die Gutscheine anzubieten und eine Erstattung auszuschließen, wurde von der EU-Kommission als europarechtswidrig eingestuft und deshalb verworfen.

Allerdings hagelt es sowohl seitens der Reisebranche als auch seitens der Opposition scharfe Kritik für die neue Regelung. Diese Entscheidung käme viel zu spät. Die Verbraucher warten seit über 4 Monaten auf eine Entscheidung und die Regelung reiche für die Reisewirtschaft nicht aus. „Die Lösung hätte man in Woche eins der Krise beschließen können“, kritisierte Roman Müller-Böhm (FDP). Es sei außerdem zweifelhaft, ob die Verbraucher sich überhaupt noch auf Gutscheine einließen. Das Vertrauen der Kunden in die Unternehmen wäre durch die mangelnde Zahlungsbereitschaft geschwächt und die Tatsache, dass der Bund zunächst Gutscheine ohne Möglichkeit der Barerstattung einführen wollte, trug zusätzlich zum Misstrauen bei.

Seitens der Reisebranche wird die Wirkung der freiwilligen Gutscheine angezweifelt. „Die Hilfen der Bundesregierung sind wie ein Soufflé. Auf den ersten Blick sehen sie prima aus. Aber sobald man hineinsticht, entweicht die heiße Luft und das opulente Gebilde fällt in sich zusammen“, sagte Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV) und fügte hinzu: „Seit Wochen fordern wir die Politik auf, etwas gegen diese existenzbedrohenden Liquiditätsengpässe zu tun. Die Bundesregierung scheint völlig ohne Plan.“ Laut Aussagen des DRV nutzen lediglich 10 bis 20 Prozent die Gutscheinmöglichkeit. Damit verschwinden die Zahlungsprobleme der Reisebranche nicht. Im Gegenteil! Laut Fiebig ist „die Bundesregierung … auf dem besten Weg, die bisher überaus leistungsfähige und effiziente Reisewirtschaft in dieser dramatischen Situation noch weiter zu schwächen.“

Seit März gilt die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Auch wenn mittlerweile die Reisewarnung teilweise aufgehoben wurden, so ist das Vertrauen der Menschen in den Tourismus instabil. Mit einem Rückerstattungsvolumen in Höhe von 6 Milliarden Euro steht die Reisewirtschaft mit dem Rücken zur Wand. Die Forderung der DRV zur Entschärfung der Situation: „Damit die Reiseveranstalter liquide bleiben und die Kundengelder rückerstatten können, ist die Kredit-Lösung unerlässlich“, denn „es fehlen einfach die notwendigen Einnahmen zum Überleben.“ In einer Pressemitteilung erwartet Fiebig von der Bundesregierung „… endlich wirksam [zu] helfen.“ Konkrete neue Unterstützungs-Angebote aus Berlin gibt es aber im Moment noch nicht – haben wir doch zu „viele Baustellen“, die gleichzeitig abgearbeitet werden müssen.

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