Die Tourismus-Branche fürchtet sich vor einem kurzen Sommer

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Der Anfang der Tourismus-Saison in der EU lief gut. Doch inzwischen steigen die Infektionszahlen in vielen Urlaubsländern wieder stark an. Auch wenn der Wunsch nach Sommer, Sonne und Meer groß ist, sind viele Touristen aufgrund der beständig wechselnden Maßnahmen verunsichert. Viele Tourismusunternehmen stehen vor dem Ruin.

Seit Beginn der Corona-Pandemie bangt die Tourismus-Branche um ihre Existenz. Nachdem die weltweiten Reisebeschränkungen 2020 für einen fatalen Zusammenbruch sorgte, sollte sich der Tourismus im Sommer 2021 wieder erholen können. Nicht zuletzt sollte auch die voranschreitende Impfkampagne wieder für mehr Reisefreiheit innerhalb der Europäischen Union sorgen. Doch die Lage bleibt weiterhin angespannt. Insbesondere in Ländern, dessen Wirtschaft stärker als andere EU-Staaten vom Tourismus abhängt, wird ein kurzer Sommer befürchtet. So stehe Kroatien beispielsweise eine „Schlacht zur Rettung der Saison“ bevor, bezeichnete die kroatische Tageszeitung „Jutarnji List“ am vergangenen Wochenende. Der Tourismussektor des osteuropäischen Staates ist in Alarmbereitschaft, da das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) am vergangenen Donnerstag den Corona-Status von Kroatiens Küstengebieten von ehemals grün in orange umgestuft hatte. Orange bedeutet zwar, dass die Menschen weiterhin ein- und ausreisen können – die Daten des ECDC bilden das Geschehen der Vorwochen ab und sind eine Warnung. Jedoch wird befürchtet, dass der Corona-Status erneut hochgestuft wird. Ein roter Status gefährde die Erfolge der Tourismus-Saison weiter und das zusätzlich zur bestehenden Belastung. Kroatien konnte bislang nur etwa 75 Prozent der Touristenzahlen verzeichnen, die im Sommer vor Beginn der Corona-Pandemie im Land waren.

Griechenland steht vor einem ähnlichen Problem. Die vierte Welle hat das südeuropäische Land erfasst, weshalb es auch für deutsche Urlauberinnen und Urlauber als Risikogebiet eingestuft wurde. Die Folge: neue und vor allem strengen Maßnahmen zur Eindämmung der griechischen Welle wurden aufgestellt. Mit Blick auf die gerade begonnene Sommer-Saison könnten die Lockdown-ähnlichen Maßnahmen das Aus für den diesjährigen ausländischen Tourismus bedeuten. Doch auch der inländische Tourismus bangt ums Überleben. Viele Eltern schicken ihre Kinder über den Sommer in ein Feriencamp und nutzen die Gelegenheit und machen in einem der umliegenden Hotels Urlaub. Doch mit der Verschärfung der Maßnahmen ist den Eltern das Besuchsrecht während des Camp-Aufenthalts untersagt. Die Problematik: Die Wochenendtrips zum Kinderbesuch der Eltern waren für die Hoteliers rund um die Campingplätze eine fest einkalkulierte Einnahme, die nun wegfällt.

Für deutsche Reisenden wirkt ein Urlaub am griechischen Mittelmeer nicht mehr so verlockend. Neben einer Ausgangssperre ab Mitternacht müssen die Touristen auch auf Musik in Lokalen verzichten sowie während ihres Besuchs in jeglichen Lokalen kontinuierlich eine Maske tragen. Weiterhin sind nur Zusammenkünfte von Gruppen mit maximal neun Teilnehmern gestattet, sowohl bei privaten als auch öffentlichen Treffen. Für alle Angestellte im Tourismus-Gewerbe gilt eine zweimalige Testpflicht pro Woche, falls sie noch nicht vollständig geimpft sind.

Die Tourismus-Branche blutet also weiterhin und die Zahlen bestätigen dies. Der Online-Reisevermittler „Trivago“ veröffentlichte am vergangenen Mittwoch eine Studie, laut der bislang erst 18 Prozent der Deutschen ihren Sommerurlaub ohne Probleme buchen konnten. Auch der Touristikdienstleister „Travel Agency Technology & Services“ (TATS) bekräftigt die Sorgen der Tourismus-Branche: „Kumuliert betrachtet liegt der gesamte fakturierte Reisebüroumsatz in den Monaten von Januar bis Juni bei minus 57 Prozent“.

Der Grund für die zögerlichen Urlaubsbuchungen: Neben ständig wechselnden Maßnahmen steigen die Infektionszahlen in vielen Urlaubszielen wieder rasant an – die Menschen sind verunsichert. Vor allen die steigenden Infektionszahlen in Spanien, einem Hauptferienziel Deutschlands, bereiten vielen potenziellen Urlauberinnen und Urlaubern Sorgen. Die Folge: Das Geschäft wird ausgebremst. In Portugal hatte sich die Lage zuletzt auch so stark verschlechtert, dass viele Reiseanbieter entschieden haben, das Land wieder gänzlich aus dem Programm zu nehmen. Der Tourismussektor macht somit alles andere als sich zu erholen und die Krise der Branche ist somit alles andere überwunden.

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